Bevölkerungsprognose

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Das Wissen über die wahrscheinliche Entwicklung der Bevölkerung ist für die Raumordnung, die Stadtentwicklungsplanung und die Fachplanung unerlässlich. Bevölkerungsprognosen sind darüber hinaus eine wichtige Orientierungshilfe für die Politik und dienen als “Frühwarnsystem”. Den Prognosen für Berlin und Brandenburg wurden abgestimmte Annahmen zur Wanderungsverflechtung zwischen beiden Ländern zugrunde gelegt.

Berlin

Bisherige Entwicklung

Bildvergrößerung: Berlin Prognose 2030
© GL

Nach der Wiedervereinigung erlebte Berlin zunächst eine Phase kräftiger Bevölkerungszuwächse, die ab 1994, u.a. in Folge der Geburteneinbrüche im Ostteil der Stadt und der Suburbanisierung, in zunehmende Verluste umschlugen. Erst mit der verstärkten Zuwanderung aus dem übrigen Bundesgebiet („Hauptstadteffekt“) bei rückläufiger Umland-Abwanderung, aber auch infolge zeitweilig sehr niedriger Gestorbenenzahlen stabilisierte sich die Bevölkerungszahl ab 2000. In den Jahren 2005 – 2007 waren, im Gegensatz zur bundesweiten Tendenz, deutliche Zuwächse zu verzeichnen.

Vorbemerkung zur Prognose

Bevölkerungsprognosen werden von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin in Zusammenarbeit mit dem Amt für Statistik erstellt. Die Ergebnisse stehen auf der Bezirks-Ebene und auch in kleinräumlicherer Aufbereitung, auf Ebene von Prognoseräumen (lebensweltlich orientierte Räume), zur Verfügung. Damit besteht die Möglichkeit, Grundlagen für räumlich differenzierte Handlungsansätze in den Großbezirken zu liefern. Die Prognose wurde in den drei Varianten “Wachstum”, “Basis” und “Schrumpfung” berechnet. Im Folgenden werden die Ergebnisse der wahrscheinlicheren mittleren Variante “Basis” vorgestellt.

Prognose 2007 – 2030

Die Bevölkerungszahl Berlins steigt bis zum Jahr 2023 an und geht danach leicht zurück. Gegenüber 2007 wächst die Stadt um rd. 60.000 Menschen auf 3,476 Mio. EW ( 1,7%). In den Bezirken wird die Entwicklung sehr unterschiedlich verlaufen: In sechs Bezirken steigt die Bevölkerungszahl an, in fünf Bezirken sinkt sie. Der größte Zuwachs wird für den Bezirk Pankow mit 12,6 % erwartet.

Annahmen Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung

Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Berlin 1,2 Kinder (deutsche Frauen 1,09 und ausländische Frauen 1,59 Kinder). 2007 weisen die Frauen im Alter von 30 bis 33 Jahren die höchsten Geburtenraten auf. 1990 lag das Maximum noch bei 25 Jahren. Seit der Wiedervereinigung ist damit das durchschnittliche Alter der Frauen bei der Geburt von Kindern ist um mehr als fünf Jahre angestiegen. Die Geburtenraten weisen im Stadtgebiet erhebliche Differenzen auf. Sie sind zum großen Teil durch Unterschiede in der Sozialstruktur und der Herkunft der Frauen im gebärfähigen Alter erklärbar. Für den Prognosezeitraum wurde mit konstanten Geburtenraten gerechnet, da ein nachhaltiges Anwachsen der Geburtenraten in Berlin nicht erkennbar ist. Trotz der angenommenen, relativ stabilen Geburtenraten wird die Zahl der Geburten in Zukunft rückläufig sein. Das hängt mit der abnehmenden Zahl von Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis unter 45 Jahre) zusammen. Zusätzlich verändert sich innerhalb dieser Gruppe die Alterstruktur der Frauen: Geburtenschwache Jahrgänge werden künftig mit einem höheren Anteil vertreten sein.

Der Alterungsprozess der Berliner Bevölkerung setzt sich fort. Das Durchschnittsalter der Berliner erhöht sich im Prognosezeitraum von 42,5 auf 45,3 Jahre. Die Lebenserwartung bei den Frauen steigt auf 85 Jahre und bei den Männern auf 80 Jahre.

Annahmen Wanderungen

Ein entscheidender Faktor für die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt liegt in der Außenwanderungsbewegung. Bei den Zu- und Fortzügen über die Grenzen von Berlin werden vier Bezugsräume betrachtet: das Berliner Umland (Brandenburger Teil des engeren Verflechtungsraums), neue Bundesländer (ohne Umland), alte Bundesländer und das Ausland. Der Umfang der Wanderungsströme nach Berlin und aus der Stadt hinaus wird vorrangig durch die Entwicklung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation in Berlin beeinflusst. Es wird erwartet, dass sich der positive Wanderungssaldo ab Mitte des kommenden Jahrzehnts in einer Größenordnung von 8.000 Personen pro Jahr stabilisiert. Die Wanderungsgewinne summieren sich im Prognosezeitraum auf rd. 195.000 Personen. Zuwanderungen aus dem Ausland machen dabei den Hauptteil aus: Im Saldo sind 145.000 Personen zu erwarten. Nach der EU-Osterweiterung sind vor allem die Zuzüge aus Polen, Rumänien und Bulgarien sprunghaft angestiegen. Auch aus den neuen Bundesländern (128.000) (ohne Brandenburger Umland von Berlin) und den alten Bundesländern (69.000) gibt es starke Zugewinne, allerdings gehen durch Suburbanisierung wiederum 147.000 Einwohner an das Brandenburger Umland verloren.

Weitergehende Informationen zur Berliner Bevölkerungsprognose finden Sie hier – Bevölkerungsprognose Berlin

Brandenburg

Prognose 2009 - 2030

Künftig muss in Brandenburg mit einer sinkenden Bevölkerungszahl von 2,52 Millionen im Jahre 2008 auf 2,23 Millionen im Jahre 2030 gerechnet werden (-11,7 %). Ursache dafür ist das ständig steigende Geburtendefizit (negativer Saldo aus Geburten und Gestorbenen). Bis 2030 werden im Land Brandenburg insgesamt 0,38 Millionen Menschen mehr sterben als durch Geburten ersetzt werden können. Ein Ausgleich durch Wanderungen in dieser Größenordnung ist für Brandenburg kaum möglich. Die aktuelle Bevölkerungsprognose für das Land Brandenburg hat den 31.12.2008 als Datengrundlage und wurde gemeinsam von der Raumbeobachtung (Landesamt für Bauen und Verkehr) und dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erstellt. Sie wurde für die Landkreise, kreisfreien Städte sowie weitere 28 Städte/Gemeinden, die mindestens annähernd 20.000 Einwohner hatten, berechnet.

Weitere Informationen

Annahmen Geburtenhäufigkeit

Die Unterschiede im generativen Verhalten der Brandenburger Bevölkerung zum früheren Bundesgebiet sind nur noch vergleichsweise geringfügig. Es wird erwartet, dass die Geburtenhäufigkeit der Frauen im Prognosezeitraum im Landesdurchschnitt auf dem Niveau des Basisjahres 2008 bleibt. Das bedeutet, dass in Brandenburg durchschnittlich 1,4 Kinder je Frau geboren werden, womit der Ersatz der Elterngeneration allerdings nur zu etwa zwei Dritteln gewährleistet ist. Die meisten Geburten sind von Frauen im Alter von 25 bis 32 Jahren zu erwarten. In der Prognose wird angenommen, dass sich die Altersstruktur der Gebärenden nicht noch weiter verändert, da sie bereits weitgehend der Struktur in den alten Ländern entspricht.

Lebenserwartung

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines neugeborenen Mädchens liegt bei dem derzeitigen Sterberisiko in Brandenburg bei 82 Jahren, die eines Jungen bei 76 Jahren. Mit großer Wahrscheinlichkeit nimmt die Lebensdauer der Brandenburger weiter zu. Bis 2030 wird mit einem Anstieg der Lebenserwartung bei neugeborenen Mädchen auf 85 Jahre und bei Jungen auf 80 Jahre gerechnet. Mit der zu erwartenden höheren Lebenserwartung um 3 bei Mädchen bzw. knapp 4 Jahren bei Jungen verringern sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede etwas. Frauen können künftig mit einer um durchschnittlich 5 Jahre höheren Lebenserwartung rechnen als Männer.

Wanderungen

Von einer Fortsetzung der Wanderungstendenzen der neunziger Jahre kann für den Prognosezeitraum nicht ausgegangen werden. Nach den starken Wanderungsverlusten gegenüber den alten Bundesländern in den Jahren 1989 bis 1991 bestimmten ab 1992 die Zuwanderungen aus dem Ausland (Ausländer und Aussiedler) sowie ab 1994 zunehmend die Gewinne gegenüber Berlin das Wanderungsergebnis des Landes Brandenburg. Die Zugewinne von Berlin haben sich nach 1999 mit Nachlassen der Wohnungsbautätigkeit merklich abgeschwächt. Die Migrationsgewinne aus dem Ausland stabilisierten sich auf niedrigem Niveau, während die Wanderungsverluste gegenüber den alten Ländern wieder anstiegen. Nach den seit 1992 anhaltenden Zugewinnen ist die Bilanz aus Zu- und Fortzügen für das Land Brandenburg 2001 und 2002 leicht negativ, 2003 und 2004 leicht positiv. Entgegen früheren Annahmen entwickelte sich die Wanderungsbilanz seit 2005 stärker negativ.

Für die Einschätzung der künftigen Wanderungen wurde davon ausgegangen, dass Brandenburg langfristig leichte Gewinne aus dem Ausland haben wird, wobei sich die Zahl der Aussiedler und Asylbewerber weiter abschwächen wird. Bei intensiven Wanderungsverflechtungen mit der Bundeshauptstadt werden die Gewinne aus Berlin auch künftig eine stabile und die bestimmende Einflussgröße für das Migrationsergebnis von Brandenburg sein, sich jedoch auf einem geringeren Niveau als bisher stabilisieren. Die Abwanderungen in das frühere Bundesgebiet schwächen sich mit sinkenden Quellpotenzialen wahrscheinlich allmählich ab, der Saldo bleibt jedoch langfristig zumindest leicht negativ. Gegenüber den neuen Bundesländern werden langfristig wieder geringfügig positive Salden angenommen. Insgesamt wird bei optimistischer Einschätzung in der Prognose für das Land mittel- und langfristig wieder mit moderaten Gewinnen gerechnet. Die angenommenen Gewinne aus der Migration über die Landesgrenzen von 80.000 Personen im gesamten Prognosezeitraum betreffen jedoch ausschließlich das Berliner Umland, während für den weiteren Metropolenraum weitere Nettoabwanderungen erwartet werden.

Ergebnisse

Bildvergrößerung: Prognose2009 2030
Bild: Gemeinsame Landesplanung

Künftig muss in Brandenburg mit einer sinkenden Bevölkerungszahl von 2,52 Millionen im Jahre 2008 auf 2,22 Millionen im Jahre 2030 gerechnet werden (-11,7 %). Ursache dafür ist das steigende Geburtendefizit (negativer Saldo aus Geburten und Gestorbenen). Dieser jährliche natürliche Bevölkerungsverlust wird sich bis zum Ende des Prognosezeitraumes nahezu verdreifachen. Altersstrukturell bedingt wächst die Zahl der alten Menschen mit hohem Sterberisiko stark an. Die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter verringert sich landesweit um etwa 43 %. Das hat trotz einer angenommenen gleichbleibenden Geburtenziffer je Frau sinkende Geburtenzahlen zur Folge.

Bis 2030 werden im Land Brandenburg insgesamt 0,38 Millionen Menschen mehr sterben als durch Geburten ersetzt werden können. Ein Ausgleich durch Wanderungen in dieser Größenordnung ist für Brandenburg kaum möglich. Zunehmend bestimmt das Geburtendefizit die Bevölkerungsentwicklung des Landes. Während im Berliner Umland die Bevölkerungszahl wanderungsbedingt weiter wächst ( 7,1 %), hält der Bevölkerungsverlust in den berlinfernen Regionen an (-22,0 %). Hier werden die natürlichen Bevölkerungsverluste noch durch Wanderungsverluste verstärkt.

Die Veränderung der Bevölkerungsverteilung innerhalb des Landes setzt sich damit fort. Im Jahr 2030 werden 43 % der Brandenburger Bevölkerung ihren Wohnsitz im Berliner Umland haben. Dagegen hat die ständig sinkende Bevölkerungsdichte im weiteren Metropolenraum (auf 48 Einwohner je km²) weitreichende infrastrukturelle Auswirkungen. Auch die stark differenzierte Bevölkerungsentwicklung in den Kreisen setzt sich fort. Die ungünstigste Entwicklung vollzieht sich in den nicht an Berlin angrenzenden Kreisen, die mit weiterem, zum Teil erheblichem Bevölkerungsrückgang rechnen müssen. Mit Ausnahme der Stadt Potsdam, die durch ihre Bedeutung und Attraktivität als Landeshauptstadt und die Nähe zur Bundeshauptstadt erhebliche regionale und überregionale Wanderungsgewinne erwarten kann, ist die Einwohnerzahl auch in den kreisfreien Städten weiter rückläufig. Die innerkreislichen Unterschiede werden besonders in den an Berlin angrenzenden Landkreisen deutlich. Hier entwickeln sich die Bevölkerungszahlen zwischen dem Umland und den weiteren Metropolenraum meist gegenläufig. Der Ausgleich des Geburtendefizits durch Nettozuwanderungen bleibt hier aus.

Mit dem Bevölkerungsrückgang geht eine Verschiebung der Altersstruktur einher. Landesweit verringert sich die Zahl der Kinder und der Personen im erwerbsfähigen Alter immer weiter, während die Zahl der Personen im Seniorenalter stark ansteigt. Das statistische Durchschnittsalter der männlichen Brandenburger wächst um 8,6 auf 51,9 Jahre und das der weiblichen Personen um 8,0 auf 54,5 Jahre bis 2030. Im Jahr 2030 wird bereits mehr als ein Drittel der Bevölkerung mindestens 65 Jahre alt sein. Obwohl sich auch im Umland Berlins eine deutliche Alterung der Bevölkerung vollzieht, wird hier im Jahr 2030 der Anteil der Senioren noch deutlich niedriger ausfallen als im weiteren Metropolenraum. Die aktuelle Bevölkerungsprognose können Sie hier herunterladen oder bestellen.

In enger methodischer und inhaltlicher Verknüpfung mit der Bevölkerungsprognose für das Land Brandenburg wurden in Modellrechnungen für alle Ämter und amtsfreien Gemeinden Bevölkerungsvorausschätzungen bis 2030 erarbeitet. Die Annahmen, methodischen Erläuterungen und aufbereiteten Ergebnisse der kleinräumigen Bevölkerungsvorausschätzung finden Sie hier