


Am 10. September 2026 fand in Zielona Góra im Säulensaal des Marschallamtes der Wojewodschaft Lubuskie (UMWL) ein weiterer Expertenworkshop im Rahmen des Projektes BB-L Interconnection statt. Diesmal stand die vom Marschallamt verantwortete Expertise „Stand und Rahmenbedingungen für die Entwicklung der erneuerbaren Energien als Bestandteil der Energiewende im Brandenburg-Lebuser Verflechtungsraum“ im Fokus.
Die Expertise untersucht die aktuelle Nutzung und Potenziale verschiedener erneuerbarer Energieträger unter rechtlichen, räumlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Brandeburg-Lebuser Verflechtungsraum im deutsch-polnischen Vergleich. Beim Workshop wurden anhand statistischer Auswertungen und Befragungen Ergebnisse der Expertise vorgestellt, die in einer Paneldiskussion vertieft wurden.
Zum Berichtentwurf der Expertise hatte sich die Projekt-Expertengruppe für grenzüberschreitende Raumentwicklung bereits am Vortag intensiv ausgetauscht. Die Gastgeber vom Marschallamt nutzten zudem die Gelegenheit, um der Expertengruppe ein touristisches Highlight der Wojewodschaft – das Weinfest in Zielona Góra – zu präsentieren.
Im Namen des Marschalls der Wojewodschaft Lubuskie, Sebastian Ciemnoczołowski, begrüßte Radosław Brodzik, Büroleiter des Vorstandes, die ca. 60 teilnehmenden Gäste aus Kommunen, Landkreisen, öffentlicher Verwaltung und Wissenschaft aus Lubuskie und Brandenburg. Er betonte die Relevanz der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien für die Wojewodschaft Lubuskie, nicht nur vor dem Hintergrund der Klimaziele, sondern auch zum Zweck der Energiesicherheit und Resilienz. Die Energiewende sei zwar technisch herausfordernd, aber eine Chance für die lokale Entwicklung.
Cezary Wysocki (UMWL) und Dr. Jürgen Neumüller (GL) bei der Einführung in das Projekt BB-L InterconnectionBild: Paweł Wańczko/ lubuskie.pl
Das Interesse der kommunalen Akteure am dynamischen Sektor Erneuerbare Energien spiegelte sich in einer hohen Anzahl an Teilnehmenden widerBild: Paweł Wańczko/ lubuskie.plCezary Wysocki, Leiter der Abteilung für Immobilienwirtschaft, Raumplanung und Geodäsie des UMWL und federführender Koordinator des Projektes BB-L Interconnection ordnete die Expertise in den Projektkontext ein, unterstützt von Vertretern der Projektpartner GL und BTU.
Anschließend erläuterte Dr. Mariusz Goraj (UMWL) die Zielsetzung und Rahmenbedingungen der Expertise. Auch wenn die Wojewodschaft Lubuskie und das Land Brandenburg bereits eigene Energiestrategien haben, geht es bei der vorliegenden Studie um den grenzüberschreitenden Vergleich. Ziel dabei war, verschiedene Energieträger vor dem Hintergrund der sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen zu untersuchen (Raum, Umwelt, Netzinfrastruktur, rechtliche und planerische Vorgaben). Die Expertise solle auch den kommunalen Akteuren als analytische Grundlage und Wegweiser dienen, wie man vom theoretischen Potenzial zur tatsächlichen Umsetzung kommen und wie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in diesem Bereich verbessert werden könne.
Anschließend präsentierte Szymon Bryzgalski vom Büro Zespół Doradców Gospodarczych TOR, welches mit der Erarbeitung betraut war, ausgewählte Ergebnisse der Expertise in mehreren Blöcken. [Das Gutachten wird, sobald veröffentlicht, an dieser Stelle zum Download bereitgestellt]
Szymon Bryzgalski vom Büro ZDG TOR stellt die Ergebnisse der Expertise vorBild: Paweł Wańczko/ lubuskie.pl
PaneldiskussionBild: Paweł Wańczko/ lubuskie.plDen Abschluss bildete ein Panel, bei dem die Ergebnisse der Expertise von Prof. Dr. Ludger Gailing vom Fachgebiet Regionalplanung (BTU) und Magdalena Balak-Hrynkiewicz als stellv. Abteilungsleiterin für Wirtschaft und Entwicklung (UMWL) mit Cezary Wysocki (UMWL) und Szymon Bryzgalski (TOR) sowie dem Publikum diskutiert wurden. Im gemeinsamen Austausch wurden vorgestellte Herausforderungen und Potenziale reflektiert und um Hintergrundinformationen und Beispiele ergänzt.
Insgesamt sind im Brandenburg-Lebuser Verflechtungsraum große Flächenpotenziale für den Ausbau erneuerbarer Energien vorhanden. Einige Fragen rund um Agri-Photovoltaik oder Windenergieanlagen in Waldgebieten sind dabei noch ungelöst. Zusammen mit der Netzinfrastruktur ist Fläche als Ressource zugleich ein wichtiger Standortfaktor geworden. So sind in Brandenburg in letzter Zeit vermehrt Anfragen zum Bau von Rechenzentren als Großinvestitionen eingegangen. Eine zentrale Herausforderung bleibt dabei in beiden Ländern der Ausbau der Netzinfrastruktur, um die dezentral erzeugte Energie effizient einspeisen, verteilen und nutzen zu können.
Die gesellschaftliche Akzeptanz für den Ausbau erneuerbarer Energien bleibt in beiden Ländern eine Herausforderung. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass die Akzeptanz von Investitionen auch von den Eigentumsverhältnissen und der finanziellen Beteiligung an den erzielten Erträgen abhängt. Ein grenzüberschreitender Erfahrungsaustausch in diesem Bereich wäre insbesondere für polnische Akteure von großem Interesse.
Was die Kosten der energetischen Transformation betrifft, wird der Klima-Sozialfonds der EU (2026-2032) eine wichtige Ressource für eine sozial gerechte Energiewende darstellen. Er soll Haushalte, Kleinstunternehmen und Verkehrsnutzer*innen unterstützen, die durch steigende Energie- und Mobilitätskosten besonders belastet sind.
In Deutschland beschäftigen sich viele Kommunen aktuell mit der Aufstellung von Kommunalen Wärmeplänen, wozu sie durch das Wärmeplanungsgesetz (WPG) des Bundes verpflichtet sind. Hierbei können auch Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit genutzt werden. So arbeiten aktuell die Städte Görlitz und Zgorzelec im Projekt „United Heat“ an der Verbindung und Dekarbonisierung ihrer beiden Fernwärmenetze.
Insgesamt sollte der Verflechtungsraum auch im Bereich des Ausbaus und der Nutzung erneuerbarer Energien als gemeinsamer Handlungsraum in einer 360 Grad-Perspektive verstanden werden. Grundlagen hierfür könnten durch eine stärkere Verknüpfung beider Energienetze gelegt werden.