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Am 18. Juni 2026 fand in Kostrzyn nad Odrą im Hotel Bastion der zweite Expertenworkshop im Rahmen der Erarbeitung der Expertise „Polyzentrale Siedlungsstruktur im Brandenburg-Lebuser Verflechtungsraum“ im Projekt BB-L Interconnection statt. An dieser Folgeveranstaltung des ersten Workshops vom 30. April in Cottbus nahmen circa 50 Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Landkreisen, öffentlicher Verwaltung und Wissenschaft teil.
Der Workshop stellte Ergebnisse und kartografische Darstellungen der Expertise „Polyzentrale Siedlungsstruktur im Brandenburg-Lebuser Verflechtungsraum“ zur Diskussion, mit deren Erarbeitung das Planungsbüro complan Kommunalberatung betraut ist. Die Expertise untersucht die räumliche Entwicklung im Verflechtungsraum mit Fokus auf Daseinsvorsorge, Mobilität sowie interkommunale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Bereits am Vortag hatten sich die Projektpartner mit der Projekt-Expertengruppe für grenzüberschreitende Raumentwicklung in Kostrzyn nad Odrą zusammengefunden, um die im Entwurf vorliegenden Ergebnisse der Expertise vertieft zu diskutieren. Begrüßt wurde die Gruppe beim abendlichen Zusammensein mit weiteren lokalen Akteuren u.a. vom Bürgermeister von Kostrzyn nad Odrą, Herrn Andrzej Kunt.
Zur Einführung des Expertenworkshops am 18. Juni stellten Cezary Wysocki vom Marschallamt der Wojewodschaft Lubuskie und Dr. Jürgen Neumüller von der Gemeinsamen Landesplanung seitens der Projektpartner den aktuellen Stand des Projektes BB-L Interconnection und weitere Schritte vor. Aufbauend auf den Ergebnissen des ersten Workshops in Cottbus, bei dem wichtige Hinweise zu vorhandenen Kooperationsaktivitäten gesammelt wurden, lag der Schwerpunkt dieses Mal auf einer räumlich fokussierten Diskussion zu Ansätzen der grenzüberschreitenden Daseinsvorsorge in Verbindung mit funktionalräumlichen Beziehungen im Brandenburg-Lebuser Verflechtungsraum.
Sitzung der Expertengruppe am VortagBild: Antje Wilke, GL
Die Projektpartner besichtigen die Festung in Kostrzyn nad OdrąBild: Marschallamt der Wojewodschaft LubuskieAls inhaltlichen Input präsentierte das Team von complan Kommunalberatung Ergebnisse der Expertise „Polyzentrale Siedlungsstruktur im Brandenburg-Lebuser Verflechtungsraum“. Aktuell werden Ansätze der grenzüberschreitenden Daseinsvorsorge projektbasiert und zugleich kontinuierlich verfolgt. Zu den zentralen Herausforderungen gehört es, aus den vielen Einzelprojekten und guten Beispielen übergreifende Handlungsansätze abzuleiten (z.B. grenzübergreifende Gesundheitsregion), gleichzeitig Vorhaben synergetisch zusammenzudenken (Kultur, Tourismus), integrativ weiterzuentwickeln (Mobilität), sowie an der Verbesserung von Rahmenbedingungen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiterzuarbeiten. Gleichzeitig empfiehlt die Expertise, regelmäßige Austauschformate im Verflechtungsraum zu verstetigen, bestehende Partnerschaften zu qualifizieren und unterstützend gemeinsame Datengrundlagen und ggf. Monitoring-Instrumente zu schaffen. Ein zentraler Analyseschritt der Untersuchung bestand dabei in der Erarbeitung grenzüberschreitender kartografischer Darstellungen für verschiedene Aspekte wie Raumstruktur, Verkehr und Mobilität, Daseinsvorsorge und Governance. Als innovativer Ansatz wurden dabei sogenannte „Starterräume“, die auf grenzüberschreitenden Erreichbarkeiten basieren, als funktionalräumliche Zuschnitte für eine zukünftige Intensivierung der grenzüberschreitenden Daseinsvorsorge zur Diskussion gestellt.
Auf Grundlage der vorgestellten Ergebnisse und ausgewählter Karten aus der Expertise diskutierten die Teilnehmenden zunächst in Kleingruppen und anschließend im Plenum, die vorgeschlagenen Ansätze zur Verbesserung und Weiterentwicklung der grenzüberschreitenden Daseinsvorsorge. Dabei wurde deutlich, dass viele Kooperationen auch außerhalb der vorgeschlagenen “Starterräume“ bestehen und zahlreiche Netzwerke bzw. Kooperationen der Landkreise sowie beispielsweise die Partnerschaft Cottbus-Zielona-Góra in einer räumlich engeren Betrachtung nur teilweise abgebildet werden können. Gleichzeitig unterstrichen die Teilnehmenden die Bedeutung verkehrlicher und infrastruktureller Themen, allen voran den erforderlichen Ausbau der Ostbahn und dadurch erwartete weitere Kooperations- und Wachstumspotenziale, sowie die Notwendigkeit einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung in allen Teilen des gemeinsamen Verflechtungsraums.
WorkshopdiskussionBild: Marschallamt der Wojewodschaft Lubuskie
WorkshopdiskussionBild: Marschallamt der Wojewodschaft LubuskieAußerdem wurde deutlich, dass insbesondere mit dem Lausitzer Strukturwandel auch Energiethemen eine herausragende Rolle spielen und die Vertiefung der deutsch-polnischen Kooperation in diesem Bereich wünschenswert ist. So seien Absichtserklärungen einzelner Lebuser Landkreise zur Kooperation mit dem Net Zero Valley Lausitz geplant, und auch das Thema Wasserhaushalt in der Lausitz sollte grenzüberschreitend bearbeitet werden. Ergänzungen und Hinweise aus den Workshopdiskussionen werden in die abschließende Bearbeitung der Expertise mit einfließen.
Insgesamt wurden in der Diskussion die thematischen Verflechtungen einzelner Handlungsfelder untereinander, nicht nur der Daseinsvorsorge mit Infrastruktur und Verkehr, sondern auch weiteren Aspekten wie Klimaanpassung, Wirtschaft und Energie bzw. der Bedarf einer integrierten räumlichen Betrachtung hervorgehoben. Genau diese integrierte räumliche Betrachtung der einzelnen Themen und Handlungsfelder soll mit der „Vision für den gemeinsamen Verflechtungsraum Brandenburg-Lubuskie“ erfolgen, die die Projektpartner bis Anfang 2027 erarbeiten. Der Entwurf der Vision soll ebenfalls im Format eines Expertenworkshops diskutiert werden.
Parallel dazu erarbeitet das Marschallamt der Wojewodschaft Lubuskie eine zweite Expertise zum Thema Erneuerbare Energien und räumliche Auswirkungen der Energiewende. Die Ergebnisse dieser Expertise werden am 10. September 2026 in Zielona Góra vorgestellt.